Kerstin Jagodzki, Diplom Psychologin, FU Berlin, 33 Jahre Erfahrung

Praxen profitieren von Corona-Pandemie

Kerstin Jagodzki

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Freitag, 1. September 2023

Money makes the world go round, the world go round
 😊. Ärzte-GehĂ€lter knallen rauf! Die knapp 100 000 Arzt-Praxen in Deutschland können sich ĂŒber ein sattes Einnahme-Plus freuen. Wie die Ergebnisse einer Vorabinformation des „Zi-Praxis-Panels“ („Zi“ steht fĂŒr Zentralinstitut kassenĂ€rztliche Versorgung) verraten, stiegen die Gesamteinnahmen im Corona-Jahr 2021 im Vergleich zum Vorjahr deutlich um 8,1 Prozent an.

  • Bedeutet: Vor allem Pandemie und Impfkampagne spĂŒlten zusĂ€tzlich Geld in die Praxis-Portemonnaies – ein ĂŒppiger Überschuss von insgesamt je 189 400 Euro steht in den Jahren 2018 bis 2021 fĂŒr die niedergelassenen Ärzte zu Buche!
  • 2019 und 2020 (erstes Corona-Jahr) lag der Zuwachs noch bei 2,9 bzw. 4,7 Prozent. Ohne Corona und Impf-Kampagne wĂ€re der Einnahmen-Anstieg angeblich auch 2021 eher gering ausgefallen, „nĂ€mlich gerade einmal 4,2 Prozent“, heißt es seitens des Zi.
  • Fakt ist: Die durchschnittlichen Einnahmen je Arztpraxis lagen 2021 laut des Statistischen Bundesamtes bei 656 000 Euro. DemgegenĂŒber standen Aufwendungen von durchschnittlich 333 000 Euro. Aus der Differenz von Einnahmen und Aufwendungen ergibt sich ein durchschnittlicher Reinertrag von 323 000 Euro je Praxis.
  • AuffĂ€llig aber auch: der sprunghaft gestiegene Wert auf der Ausgabenseite. Dieser lag 2021 im Vergleich zu 2020 bei 7 Prozent. 2019 waren es nur 3,7 Prozent. GrĂ¶ĂŸter Kostenfaktor fĂŒr die Praxen sind die Ausgaben fĂŒr Personal, die im Jahr 2021 fast 56 Prozent der Gesamtaufwendungen umfassten.
    FĂŒr 2023 fehlen Praxen 400 Millionen Euro.

Der Zi-Vorstandsvorsitzende Dr. Dominik von Stillfried (58) erklĂ€rt gegenĂŒber BILD: „Seit Jahren steigen die Kosten in den Praxen stĂ€rker als die Einnahmen. FĂŒr die regulĂ€re Versorgung der gesetzlich Versicherten betrug die Zunahme je Behandlungsfall im Jahr 2021 nur 0,6 Prozent.“

Aber: „Im Corona-Fokusjahr 2021 kamen durch Sonderleistungen Zusatzeinnahmen, vor allem durch die schnelle Umsetzung der Impfkampagne, hinzu. Dadurch stiegen die Gesamteinnahmen“, so von Stillfried.

Dieser ExtravergĂŒtung stand ein zusĂ€tzlicher Arbeitsaufwand gegenĂŒber, „denn neben den zusĂ€tzlichen Testungen und Impfungen lief die normale Patientenversorgung mit allem, was dazu gehört, ganz normal weiter.“

Klar ist: Je Corona-Schutzimpfung erhielten die Praxen 28 Euro. „Ein Witz im Vergleich zu den Kosten einer Impfung in den Impfzentren, die nach Rechnungshofberichten zwischen 100 und 400 Euro kosteten“, schimpft von Stillfried.

Trotzdem habe die Bundesregierung „die Praxen fĂŒr ihren Einsatz nachtrĂ€glich bestraft, indem die besondere VergĂŒtung fĂŒr die Annahme von Neupatienten gestrichen wurde. FĂŒr 2023 fehlen den Praxen dadurch 400 Millionen Euro.“

FĂŒr dieses Jahr wĂŒrden die Praxen daher stagnierende, „wenn nicht gar rĂŒcklĂ€ufige Einnahmen erwarten, wĂ€hrend gleichzeitig die Personal- und Betriebskosten wegen der hohen Inflationsrate stark steigen.“

Sein Fazit: „Die Corona-Sondereffekte aus 2021 sind somit spĂ€testens 2023 wieder verpufft.“

Quelle: MARC OLIVER RÜHLE, 01.09.2023 , Bild

  

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